Lynwood Slim und Rusty Zinn im Old Daddy in Haltern

von Fulvio Quattrocchi

Das Old Daddy ist eine Blueskneipe mit einer guten Tradition und tollen
Live Acts, nur die Räume sind so groß, daß bei normaler Besucherzahl, keine
richtige Stimmung aufkommen kann. Auch an dem Abend des 16. Februar haben
sich die ca. 80 Besucher bestimmt ein bißchen verloren gefühlt und das
trotz erstklassiger Musik.
Lynwood Slim ist als Sänger und Harpspieler für mich in der Klasse eines
Kim Wilson und hätte bestimmt viel mehr Bekanntheit und Erfolg verdient,
als er bis jetzt hatte. Er hat auch wenige Platten aufgenommen, sprach aber
während des Konzertes darüber, daß bald CrossCut eine neue CD von ihm
produzieren wird.
An dem Abend spielte er vor allem elektrisch verstärkte Bluesharp mit
schönem fetten Ton und teilweise genialen Solos, ein Stück mit der Big Axe,
sehr virtuos und eines sogar mit der Querflöte. Im Programm waren einige
Covers von Klassikern, sehr gut arrangiert, aber der größte Teil waren
eigene Kompositionen. Auch sein Begleiter Rusty Zinn war keine
Enttäuschung. Er spielte eine geschmackvolle Retroblues Gitarre à la T-Bone
Walker und sang wunderbar schwingend mit seiner hohen Stimme.
Viel Sympathie gab es auch für die anderen Bandmitgieder, vor allem
natürlich für den legendäre Larry Taylor, (ex Canned Heat) der sehr
disziplinierte Upright und elektrischen Bass spielte. Überhaupt war die
Band mit Richard Innes am Schlagzeug und Bob Welsch an Piano und Gitarre
recht gut besetzt. Insgesamt war es eine schöne runde Sache.
In der Pause hat sich der sehr nette Lynwood Slim mit mir unterhalten,
nachdem ich ihm eine Kopie von Harmonica-Player gezeigt hatte. Lynwood ist
offenbar in sein Instrument verliebt und spricht gerne darüber. Hier einige
Statements von ihm: Er spielt nur Marine Bands und zwar direkt aus der
Schachtel, er glaubt zwar, daß die Qualität in den letzten Jahren
nachgelassen hätte, aber für ihn bleiben sie die einzig richtigen
Bluesharps. Er liebt das Holz. Er kennt auch die Filisko-Harps, findet sie
gut, aber sie sind ihm viel zu teuer: Wenn man bedenkt, daß bei ihm die
Harps eine durchschnittliche Lebenserwartung von 20 Stunden haben, kann man
sich vorstellen, daß die finanzielle Sache keine sekundäre Rolle spielt. Er
spielt seine Harps nicht ein, er meint das verlängert das Leben der Harp
höchsten für eine Stunde. Er spielt sonst ein neues Astatic mit einem sehr
kleinen Lautstärkeregler, das Rod Piazza für ihn fertig gemacht hat: So
wirkt das Mikrophon insgesamt kleiner und handbarer und paßt sehr gut in
seine nicht großen Hände.
Er mag Kollegen nicht, die zuviel Noten spielen:  Ich habe 20 Jahre
gebraucht, um weniger Noten zu spielen". Er mag die beiden Walter und John
Lee (Sonny Boy I) Williamson,  Wenn Du genau in seine Platten reinhörst,
dann merkst Du, daß alles schon drin ist". Damit meint er die Entwicklung
der Bluesharp in den 50er und 60er Jahren. Er findet Jimmy Reed  really
great". Und unter den Alten schätzt er vor allem De Ford Bailey, Papa
Charlie Lightfoot und Rhythm Willie ( unglaublich!").  Diese Leute kannten
ihr Handwerk". Und als letztes ein Wunsch: Er möchte gerne vom Trio Raisner
alle Platten finden, die sie aufgenommen haben.  Der Mann, der die
Chromatik spielt, muß der beste Spieler aller Zeiten gewesen sein".


 
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