Was muß der Mundharmonikaspieler nicht alles erleiden! Bis zu
Verkrampfung
führende Zungenbewegungen, und vor allem die Kieferzange muß
wie ein
mechanisches Präzisionswerk schnell und meist sehr genau arbeiten.
Besonders die tiefen Mundharmonikas verursachen häufig
Intonationsschwierigkeiten bei den Harpspielern.
Ein Beispiel: Versucht man den 1. u. 2. gezogenen Ton einer G-Harp
(oder
tiefer) laut und perkussiv als Intervall anzuspielen, gelingt dies
nur, mit
großer Mundhöhle, ähnlich dem übertriebenen "Oh"
beim sprechen. Macht man
dies nicht, sind die gewünschten Töne nur sehr leise sauber
spielbar, so
daß kein unerwünschtes Klingeln oder Pitchen (abweichen
der Tonhöhe)
entsteht. Den Extremfall kann man an einer "low C" ausprobieren. Das
tiefe
"D" der ersten Kanzelle gebendet als "Cis" spielen. Dies wird meist
Frauen
und jugendlichen Harpspielern kaum gelingen, da ihr Mundhöhlenvolumen
und
die Zunge meist zu klein sind. Zumindest gibt es für diese Zielgruppe
von
Harpspielern die Ausweichmöglichkeit in die nächst höhere
Oktave ( low C -
norm. C; norm. G - high G... ).
Genau aus dieser anatomisch bedingten Einschränkung heraus mußten
die
Erbauer der Baßmundharmonikas ein Instrument entwickeln, welches
wie alle
weiteren Blasinstrumente weltweit funktioniert. Nämlich ausschließlich
beim
Ausatmen von Luft. Es ist aber leicht vorstellbar, unsere
Bluesmundharmonika hätte einen Kanzellenkörper mit einer
unmittelbar hinter
den Tonschlitzen abgeschnittenen Rückwand, samt Stimmplatten.
Nun könnte
man durch die Harp hindurchsehen. Ein Draufblick ergäbe eine leichte
V-
Form. Anstelle der nun nicht mehr vorhandenen Rückwand gibt es
nun zwei
ausgestanzte Rückwände, ähnlich dem Tonschieber einer
chromatischen
Mundharmonika., welche mittels eines einzigen Hebels zu betätigen
sind.
Dieser wiederum ragt jeweils diagonal an beiden Seiten des Kanzellenkörpers
heraus und kann mit einer einzigen Fingerbewegung betätigt werden.
Die
Mundharmonika wäre nun von vorn und von hinten spielbar. Eine
Vielzahl
Neuerungen brächte dies mit sich.
Zunächst wären alle gezogenen Töne als Blastöne
sauber spielbar. Die
Bendingtöne 7- 10 kann man plötzlich gezogen spielen. Überblasen
ist nun
als Overdraw (Überziehen) möglich und umgekehrt.
Hinzu kommt ein äußerst interessanter Aspekt, der spezielle
Sound, den
jeder Harpspieler beim Ziehen der Töne mit Hilfe des Zwerchfells,
dem
Rachenraum und der Mundhöhle erzeugt. Dieser, dem Harpspieler
eigene Ton,
kann nun auf alle Blastöne übertragen werden. Einfach den
Kanzellenrückwandhebel betätigen, die Mundharmonika umdrehen
und nicht
vergessen vorher auszuatmen!
| 2231 | Last Update 1998-11-11 |